Burgdorfer Kreisblatt Ausgabe 19/2016 zum Ausdrucken: Der Wahlkampf und der Ratgeber

Die Plakate der Parteien, die seit ein paar Tagen überall herumhängen, werden wohl kaum auf Begeisterung stoßen, dafür aber wieder einmal meine Lachkrampf-Angriffsbroschüre „Zerstreutes Wohnen-Ratgeber für alle ab 70“. Eine Leserin bedankt sich für ein tolles Lach-Erlebnis. Wenn Sie diese Broschüre lesen, werden Sie sich ebenfalls köstlich amüsieren. Versprochen.

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Zur Wahl drängt, an der Wahl hängt doch alles…

Zurzeit fahren alle, die sich für Spitzenpolitiker halten, nach Hannover. Heute ist der SPD-Fraktionsvorsitzende dort. Der Kanzlerkandidat auch. Der Parteichef ebenfalls. Sie wollen von Stephan Weil wissen, wie er seine Chancen bei der Landtagswahl am 20. Januar 2013 einschätzt. Das Ergebnis: noch besser als vor Weihnachten. Für diese Auskunft ist Steinmeier dreimal zu einem Geldautomaten auf der Lister Meile, auf der Georgstraße und am Aegi geeilt. Denn Weil lässt sich neuerdings von der SPD pro Wort bezahlen, für angefangene Sätze nimmt er eine Pauschale, für vollständige steht er noch in bislang unvollständigen Verhandlungen mit Steinbrück.

Derweil beginnt in Niedersachsen die heiße Wahlkampfphase. Die SPD hat für den Endspurt Plakate mit dem Motto „Geld stinkt nicht“ drucken lassen, die CDU Plakate mit „Schotten lassen anschreiben“, die Grünen Plakate mit dem Motto „Du hast deine Vortragshonorare nur von deinen Kindern geliehen“ und die FDP Plakate mit dem Motto „Rösler ist sein Geld noch wert“.  Die Linke schwankt  zwischen „Jeder Arbeiter muss so gut bezahlt werden wie Steinbrück“ und „Wir schicken den Kapitalismus in den nicht bezahlten Resturlaub“.  Die Piraten denken über „Ist das Geld erst virtuell, vergeht jede Krise schnell“ nach – aber nicht laut, sonst gibt es wieder Zoff in den eigenen Reihen.

Die Beteiligung rechnet inzwischen mit vielen Wählerinnen und Wählern. Ob aber auch alle hingehen, weiß bislang niemand. Das wird sich erst kurz vor der Wahl ändern. Dann hält Steinbrück einen gut bezahlten Vortrag, der von allen Nichtwählerinnen und Nichtwählern finanziert werden soll. Da sich die meisten Wahlmuffel das aber nicht leisten können, werden sie zu Wählerinnen und Wählern. Not gedrungen.

Wer dennoch seinen Spaß haben will, liest auch meinen nächsten Beitrag. Wie das zwei andere auch schon tun.

Kein hässlicher Wahlplakat weit und breit

Wirkungsvolles Plakat aus 1972.

Wirkungsvolles Plakat aus 1972.

„Nun haben wir wieder ein Jahr hinter uns“, sagt der Bier Trinkende vor der Aral-Tankstelle und dreht sich eine Zigarette. Sein Alter kann ich nicht schätzen. Er kann 50 sein – oder 80. Stünde die Kanzlerin neben ihm, würde man die Beiden für ein Paar halten. So, wie Merkel in Wilhelmshaven vor der Landtagswahl plakatiert wird, in grüner Kostümjacke und mit Puttchen-Brammel-Frisur, so gut würde sie zu dem Mann mit der Bierflasche in der Hand passen, der alle 30 Sekunden seufzt: „Ach ja…“ Schade, denke ich, dass dieses Plakat nicht in Athen hängt. Sogar die Griechen würden uns was spenden.

Wahlplakate durch Farbeimer gezogen