„Burgdorfer Kreisblatt/Lehrter Stadtblatt“ gerät ins Fahrwasser vieler Familienbetriebe/Verleger lässt Boot sinken

Burgdorfer Kreisblatt

Ein erster Blick auf die neueste Ausgabe.

Gegründet 1869, vom Madsack-Konzern geschluckt 1986: Das „Burgdorfer Kreisblatt/Lehrter Stadtblatt“ ist ins Fahrwasser vieler Familienbetriebe geraten. Irgendwann kommt eine Generation ans Ruder, die nicht weiß, wie man ein Boot steuert. Das Boot schlägt leck und sinkt. Als Lokalredakteur in Burgdorf habe ich den Untergang selbst miterlebt. Die überregionalen Seiten kamen damals aus Lüneburg. Die mussten jeden Tag von unsäglichen Kommentaren befreit werden. Anderes Unsägliches war hausgemacht.

Mit dem Verleger konnte man darüber nicht diskutieren. Der huschte an allen vorbei in sein Büro und verschanzte sich dort. Wenn ich bei den Technikern vorbeischaute, stand so manches Foto auf so mancher Seite auf dem Kopf, einmal wurde ein Bericht von mir über Gewalt-Videos mit Fotos versehen, die erst am nächsten Tag zu einem Artikel über eine Landschaftsmalerin erscheinen sollten. Versehen waren auch Programm, als mitten im Sommer eine Sonderseite aus Lüneburg über die Einkellerung von Kartoffeln im Winter erschien.

Der letzte Rettungsversuch begann 1984 mit einer neuen Redaktionsmannschaft. Die gab ihr Bestes, wurde aber immer wieder ausgebremst, weil die Technik mit Ansage gegen die Verlagsleitung arbeitete. Der Bierkasten am Morgen im Büro des Technik-Chefs war meistens wichtiger als ein letzter Blick auf die Ausgabe, die aus der Rotation kommen sollte.

Hinter dem Rücken der Redaktion verkaufte der Verleger im Herbst 1985 erst einmal 24,9 Prozent an den Madsack-Verlag. Das erfuhren wir aus einer Kurzmitteilung in der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Ein gutes halbes Jahr später war Schluss, einige Verlagsgeschichten erzählte ich damals in „Zwischen den Zeilen, Ingrid“. Diese Erzählung wurde ein Burgdorf-Bestseller. Jeder Dritte las sie. Die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ hielt sie für ein „Lesevergnügen“. Die hatten auch wirklich gut lachen.

Für 2011 plante ich ein Buch über diese Zeitung. Deshalb sicherte ich mir die Domain http://www.burgdorferkreisblatt.de. Interesse an diesem Projekt zeigten aber nur sehr wenige. Also ließ ich es bleiben. Doch die Domain bleibt erhalten. Als Adresse für meine internette Zeitung.

Burgdorfer Kreisblatt/Lehrter Stadtblatt: Bald 100 000 Leser

Vor 30 Jahren hat ein junges Team den letzten Rettungsversuch für das „Burgdorfer Kreisblatt/Lehrter Stadtblatt“ gestartet – und tatsächlich: Die Auflage stieg wieder. Der Verleger nutzte diesen Erfolg aber lediglich für seine Verkaufsverhandlungen mit dem Madsack-Konzern, der die Traditionszeitung 1986 schluckte. Berichte über den Altkreis Burgdorf sind seither Beilagen-Sache der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung/Neue Presse.

Mein blog http://www.burgdorferkreisblatt.de mit kuriosen und ernsten Zeitungsgeschichten überschreitet in Kürze die 100 000-Leser-Grenze. Stöbern Sie ruhig mal…

Neue Adresse für Seiten über „Burgdorfer Kreisblatt/Lehrter Stadtblatt“

burgdorferkreisblatt

Meine Seiten über das „Burgdorfer Kreisblatt/Lehrter Stadtblatt“, das 1986 vom hannoverschen Madsack-Konzern geschluckt worden ist, haben eine neue Adresse. Die lautet

www.burgdorferkreisblatt.de

Flugblatt über geplantes Buchprojekt

Burgdorfer Kreisblatt

Fast 100 000 Besucherinnen und Besucher auf Seiten über das Burgdorfer Kreisblatt/Lehrter Stadtblatt

Fast 100 000 Besucherinnen und Besucher haben sich inzwischen auf meinen Seiten über das „Burgdorfer Kreisblatt/Lehrter Stadtblatt“ die Surf-Klinke in die Internet-Hand gegeben. Die Broschüre über diese Lokalzeitung, die Ende April 1986 vom Madsack-Konzern aus Hannover geschluckt worden ist, plane ich immer noch. Sturmreif geschossen wurde das Blatt vom eigenen Verleger. Der stellte die Zeitung nicht von Mittags- auf Morgenzeitung um, der legte sich in einem offenen Brief mit der SPD in Burgdorf an, die darauf mit einem gezielten Boykott reagierte,  der ließ von einem freien Mitarbeiter alle und jeden verleumden, bis die Auflage unter 10 000 gesunken war.

Über Ostern bin ich wieder einmal in der Region Hannover gewesen. Die Zeitungslandschaft im Altkreis Burgdorf  ist öde geworden. Die vor gut 20 Jahren gegründete Wochenzeitung „Neue Woche“ wird mit Anzeigen vollgepflastert, die drumherum platzierten Berichte gleichen einem Wundpflaster, das die Wunden noch tiefer macht. In der Osterausgabe wird Toten empfohlen, bei der eigenen Beeerdigung die Regie zu übernehmen.  So kann man die christliche Botschaft von der Auferstehung natürlich auch lächerlich machen.

Osterdienstag war ich im Rathaus von Hannover. Dort traf ich eine Mitarbeiterin, der ich von meinem Kreisblatt-Projekt erzählte. Sie sagte: „Das wäre sicherlich spannend. Schreiben Sie das Buch!“ Schaun mer mal…

Die Kreisblatt-Seiten

Zeitungsgeschichte: Auszeichnung und Kündigung für eine Artikelserie

„Den Verleger, der einem kritischen Redakteur kündigt, würde ich gern einmal sehen“, sagt der Richter. Mein Verleger sitzt im Publikum. Er steht auf. Bekommt einen roten Kopf.

An Tagen wie diesem 4. Februar 1986 sind fast alle meine Kolleginnen und Kollegen im Gerichtssaal des Arbeitsgerichtes von Burgdorf. Sie wissen bereits: Das „Burgdorfer Kreisblatt“ wird es nicht mehr lange geben. Die über 100 Jahre alte Lokalzeitung ist an den Madsack-Konzern verkauft worden.  Dieser Konzern frisst die Konkurrenz vom Markt.

Im gleichen Monat werde ich vom Deutschen Steuerzahlerbund mit dem Journalistenpreis „Die spitze Feder“ ausgezeichnet. Diesen Preis bekomme ich für eine Artikelserie über ein Bürgerhaus, das in Burgdorf gebaut werden soll. Diese Artikelserie ist auch Grund für meine Kündigung gewesen. Mit dieser Kündigung hatte sich mein Verleger dem Druck von Anzeigenkunden gebeugt.

Manchmal frage ich mich: Gibt es noch einen Journalisten, der für seine Berichte eine Kündigung und eine Auszeichnung bekommen hat?

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