Hier gestorben! Burgwedel dürfen nicht länger die Toten abhanden kommen

Vor 20 Jahren noch sind auch die Toten sesshaft gewesen. Sie warteten in ihren Gräbern auf das Jüngste Gericht. Heute ziehen Tote immer häufiger um. Beklagt Martin Lauber in der „Nordhannoverschen Zeitung“: „Was noch vor 20 Jahren das Bild der Friedhöfe prägte, ist mit wachsender Mobilität die Ausnahme geworden.“ Zu jener Zeit, als die Toten noch in ihren Gräbern geblieben sind, gab es Lauber zufolge „über Generationen vererbte, individuell gestaltete Wahlgräber, die von Hinterbliebenen aufopferungsvoll gepflegt werden“. Seither gehe die „Nachfrage insbesondere nach Mehrfachwahlgräbern zurück“. Vorher war schon die Nachfrage nach Massengräbern gesunken. 

Graboffene Sonntage

Junge (keine) Talente aus Wilhelmshaven: Das Ende der Fahnenstange bei Beerdigungen mit Gerd Abeldt

Gerd Abeldt, Chefredakteur des „Neuen Wilhelmshaven“ (NW, ehemals „Wilhelmshavener Zeitung“, WZ) ist zwar kein junges Talent, sondern kein Talent, er soll aber trotzdem in dieser Serie gewürdigt werden, weil er gar Wichtiges mitzuteilen hat. Folgen wir ihm also zu den Friedhöfen der Stadt. Will man dort hin, muss man eigentlich Gebühren bezahlen, aber Gerd Abeldt macht eine Ausnahme, denn das, was er uns auf Seite 3 der heutigen NW-Ausgabe zu erzählen hat, kostet uns Sinn und Verstand: „Bei der Anpassung (er meint Erhöhung) der Friedhofsgebühren wurde ein Dilemma offenkundig.“ Das ist: Die Kundigen sterben nicht nur, sie sterben auch aus. Das hat Folgen: „Bei einer sinkenden Zahl von Bestattungen werden die Kosten auf immer weniger Köpfe verteilt.“ Klingt logisch: Weniger Tote bedeuten auch weniger Köpfe, die ins Grab sinken.

Auch der Tod besucht Wilhelmshaven nicht mehr

Ein Jagdterrier liest die „Wilhelmshavener Zeitung“: Die Stadt braucht mehr Tote

„Die Bewirtschaftung der Friedhöfe wird zum Teil durch Gebühren finanziert. Die Kosten in diesem Bereich werden aber derzeit nur zu 83,69 Prozent gedeckt. Das sagte gestern Martina Hartmann von der Friedhofsverwaltung in der Sitzung des Ausschusses der Technischen Betriebe Wilhelmshaven. Laut Hartmann ist das zwar ein recht gutes Ergebnis. Im Vergleich zu anderen Kommunen liege die Stadt hier
im oberen Drittel. Jedoch sei das Ziel, kostendeckend zu arbeiten. Die Kostendeckung sei jedoch schwer zu prognostizieren, da sie von der Zahl der Sterbefälle in einem Jahr abhängt.“

Habe ich heute beim Leckerli-Frühstück in der „Wilhelmshavener Zeitung“ gelesen. Meine Pudel-Freundin Leni, der ich diese Zeilen inzwischen am Telefon vorgelesen habe, fragte nur: „Was tun?“ Die Antwort fiel mir leicht: „Wilhelmshaven braucht mehr Tote.“ Da mich Leni sofort fragte, ob ich dabei etwa an mein Herrchen Heinz-Peter Tjaden denke, legte ich auf. Ich wollte mir den Leckerli-Appetit nicht verderben lassen.

Eine Idee ist allerdings nicht so gut