Zeitungsgeschichte: Auszeichnung und Kündigung für eine Artikelserie


„Den Verleger, der einem kritischen Redakteur kündigt, würde ich gern einmal sehen“, sagt der Richter. Mein Verleger sitzt im Publikum. Er steht auf. Bekommt einen roten Kopf.

An Tagen wie diesem 4. Februar 1986 sind fast alle meine Kolleginnen und Kollegen im Gerichtssaal des Arbeitsgerichtes von Burgdorf. Sie wissen bereits: Das „Burgdorfer Kreisblatt“ wird es nicht mehr lange geben. Die über 100 Jahre alte Lokalzeitung ist an den Madsack-Konzern verkauft worden.  Dieser Konzern frisst die Konkurrenz vom Markt.

Im gleichen Monat werde ich vom Deutschen Steuerzahlerbund mit dem Journalistenpreis „Die spitze Feder“ ausgezeichnet. Diesen Preis bekomme ich für eine Artikelserie über ein Bürgerhaus, das in Burgdorf gebaut werden soll. Diese Artikelserie ist auch Grund für meine Kündigung gewesen. Mit dieser Kündigung hatte sich mein Verleger dem Druck von Anzeigenkunden gebeugt.

Manchmal frage ich mich: Gibt es noch einen Journalisten, der für seine Berichte eine Kündigung und eine Auszeichnung bekommen hat?

Weitere Geschichten über das „Burgdorfer Kreisblatt/Lehrter Stadtblatt“

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